Märkische Schlösserrundtour

Tag 1

Nachdem nun schon nichts aus meinem Winterurlaub geworden war, wollte ich nun wenigstens die Osterfeiertage nutzen, um endlich mal wieder an die Luft zu kommen. Kurz vor Toresschluss noch mal schnell Internet und Magic Maps Tourensammlung zu Rate gezogen und was Passendes für das Wochenende rausgesucht. Die märkische Schlösserrundtour mit 187 km schien die richtige Wahl zu sein. Also alles zurechtgebastelt und die Taschen gepackt. Naja. Wie immer ne Menge Geraffel. Halt mit Zelt unterwegs. Da ist es egal ob man zwei Tage oder zwei Wochen unterwegs ist. Die Grundausrüstung ist immer die gleiche. Freitag dann ab zur Bahn und los. Mit der Niederbarnimer Eisenbahn nach Obersdorf. Hier sollte nun die erste Etappe beginnen. Und als ich ausstieg, begann es, Natürlich! , zu nieseln. Toll! Da es jedoch immer wieder aufhörte wollte ich mir aber auch nicht die Gore Jacke antun. Und los! Auf und ab durch die Märkische Schweiz. Müncheberg machte nicht gerade den Eindruck eines tollen Urlaubszieles. Dafür passierte ich einige sehr ansehnliche Dörfer. In Steinhöfel dann das gleichnamige Schloss. Sehr schöner und gepflegter Schlosspark. und auch das Schloss war liebevoll restauriert worden. Nach einigen Photos machte ich mich dann aber auf den Weiterweg. Dachte ich. Auf halbem Wege zwischen Steinhöfel, nach exakt 20km, kam dann was kommen musste. Ein Plattfuß. Das Hinterrad lahmte. Von wegen Anti Platt Schlauch. Also ab an die Seite und den Drahtesel auf den Kopf gestellt. Die gründliche Untersuchung des Reifens brachte dann auch schnell den Übeltäter zu Tage. Eine Glasscherbe im Profil. Na da weiß ich auch gleich wo das Loch ist. Also die Stelle an der Felge markiert und runter mit dem Schlappen. Flicken drauf und los. denkste! Alles schön zusammengebaut und Luft aufgepumpt.
wird aber nicht prall der Reifen. Noch ein Loch :-((. Also alles nochmal. Aber das war nicht die Ursache. Der flicken hatte sich beim Einbau des Reifens verschoben. Neuen Flicken drauf und alles gaaaanz vorsichtig zusammengebaut. Jepp. Jetzt ist alles gut. Zwischendurch hatte ich noch den einen oder anderen Regenschauer abbekommen. Dank Gore Jacke, nun doch, alles kein Problem. Weiter geht’s. Über viel Landstraßen. Meist aber wenig befahren und gut asphaltiert. Da komme ich gut voran. Und die Sonne kommt jetzt auch immer öfter raus. Kurz hinter Briesen gönne ich mir eine kleine Pause an einem gemütlichen Rastplatz im Wad. Ist ja auch genau Halbzeit. Über Kersdorfer Schleuse fahre ich dann Richtung Beeskow. Eine schöne Strecke. Immer am Oder-Spree Kanal und der Drahendorfer Spree entlang. Hier bin ich auch schon gepaddelt. Beeskow macht einen sehr sympathischen Eindruck. schöne Altstadt mit restauriertem Stadtkern. Und hier herrscht dann endlich auch etwas Leben. Fast alle Orte durch die ich bisher kam wirkten wie ausgestorben. Karfreitag!? Nun nähere ich mich endlich meinem Tagesziel. Ranzig. Hier gibt es einen Campingplatz. Das schon, nur leider machen die erst nach Ostern auf. Toll! Na wenigstens bekomme ich Wasser und fülle Wassersack und Trinkflasche. Auf den letzten zwei Kilometern hatte ich einige gute Stellen zum campieren gesehen. Hab ja alles dabei. Also was soll’s. Ich fahre wieder zurück. Ein Abstecher durch den Wald bringt zwar einige gute Plätze zu Tage. Aber irgendwie will’s mir nicht gefallen. Also weiter zurück. Der Weg geht ein Stück an der Spree entlang. Und an einem schmalen Sandweg zieht es mich, wie von Geisterhand zum Fluss hin. Wow. Das nenne ich Intuition! Ich lande an einem Wasserwanderrastplatz. Mit Mülltonne und Feuerstelle. Wenn das nichts ist. Ich finde eine perfekt windgeschützte Stelle am Wasser mit tollem Blick auf die Spree und das nur 200m entfernte Gehöft gegenüber. Zelt aufbauen und alles einrichten geht wie von alleine. Alles schon so oft geübt. Inzwischen nähert sich ein Boot der Wasserschutzpolizei. Man beäugt argwöhnisch aber wohl doch eher wohlwollend. Kein Kommentar der Freunde und Helfert und sie drehen wieder ab. Schwein gehabt. Also nix wie ran an den Kochtopf. Nach 72km fühle ich mich zwar noch erstaunlich fit habe aber einen ordentlichen Kohldampf. Und so verbringe ich den Rest des Abends mit essen, trinken und viel Musik.
Fortsetzung folgt……

Tag 2

Die Nacht war kühl aber ruhig. Immerhin 0 Grad. Und so wartete ich morgens lieber noch bis die Sonne aufs Zelt schien. Sagte ich Sonne? Tatsache. Strahlender Sonnenschein versprach einen schönen Tag. Also Frühstücken, Zelt abbauen, packen und los. Rechts schnell merkte ich aber, dass ich trotz Sonne doch nicht so recht warm werden wollte. Schuld daran war der, teils in Böen, recht heftige Wind. dieser sollte mir später noch hart zusetzen. Die letzten zwei Drittel des Weges hatte ich immer den Wind von vorn. Da wird man dann doch warm. Und so radelte ich drauf los. Gemütlich und mit vielen Photopausen. Die Landschaft und die Dörfer sind aber auch zu schön. Zum größten Teil auf Landstraßen aber auch auf Waldwegen führt der Radweg durch die Natur. Die Ausschilderung wechselte ständig zwischen sehr gut bis saumässig. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum da einige Spezialisten stets davon ausgehen, dass die Radweg immer in dieselbe Richtung befahren werden. Kommt man aus der falschen Richtung, sind Abbiegehinweise oft überhaupt nicht zu sehen. Wieder ein Grund mehr sich über das GPS zu freuen. Damit verpasste ich keinen Abzweig. Der kleine Weiher Rocher. Idyllisch. Lädt geradezu zum verweilen ein. Zwei sehr schöne Ferienhäuser, Pferdekoppeln und Fluss. Einfach nur schön. Aber zu früh für eine Pause. Aber einige Photos gönne ich mir doch. Nächster Halt, Schloss Kossenblatt. Viel zu sehen gibt es hier nicht. Der ehemalige Landsitz des Alten Fritz beherbergt Heute ein Servicezentrum und ist nur unter der Woche zugänglich. Immerhin entnehme ich mühsam und unter einiger Augenanstrengung dem durchsichtigen!? Infoschild, das der Alte Fritz hier seine naiven Grenadierbilder gemalt hat. Naja. Also weiter. Dorf für Dorf passiere ich. Zwischen Georgshöhe und Gross Rietz mache ich dann eine Rast. direkt an einem Wildgehege mit Rehen. Schöne Aussicht. Über Sauen nun nach Drahendorf. Beides wirklich schöne Orte. Dann treffe ich bei der Kersdorfer Schleuse auf den Weg den ich Gestern gefahren bin. Die Tour hat die Form einer 8. Und den unteren Kreis habe ich jetzt geschlossen. Bis Briesen fahre ich nun auf bekannten Wegen. Kurz hinter Briesen liegt mein Ziel. Ein Zeltplatz am Petersdorfer See. So sagt meine digitale Karte von Garmin und die Kompass Karte. die Realität sagt was anderes! Statt eines Campingplatzes treffe ich auch eine Kreuzung aus Kleingartenanlage und Wohnwagen abstell- und einbauplatz. Bei einer fröhlich feiernden Gesellschaft mache ich dann Halt und frage. Tja den Campingplatz gibt es seit 1990 nicht mehr. Suuuper! Immerhin kann ich mir hier meinen Wassersack füllen. Der nette Herr ahnt meine .Absichten und bittet mich doch etwas weiter entfernt zu zelten. Da der Vorsitzende das gar nicht gern hätte. Ich beruhige ihn. Tatsächlich wollte ich noch drei vier km weiter bis ans Ende des Sees fahren. Da sieht es auf der Karte recht ruhig aus. Also nochmal rauf aufs Rad und wieder los zur Biwak suche. Nach etwa drei km parallel zum See sehe ich mir alle Wege an, die Richtung See führen. Auf irgendwas warte ich aber. Und dann zieht es mich doch nach links. Ich fahre einen engen Weg mit Trekkerspuren entlang und komme zum See. Toll! Perfekt! Der Weg erweist sich als Sackgasse an deren Ende ein Bootssteg mit einem kleinen Fischerkahn liegt. Sonnenbeschienen und mi reichlich Platz fürs Zelt und definitiv ruhig. Weder Menschen noch Gebäude sind zu sehen. Wieder den richtigen Riecher gehabt. Same Procedure as Every Day. Zelt aufbauen und faulenzen. in der prallen Sonne. Es ist erst drei. Also habe ich noch einen langen Nachmittag vor mir. Ich nutze die Zeit und justiere die Gangschaltung. Die hat auf den letzten km recht merkwürdige Geräusche gemacht. Ist aber schnell erledigt. Und so räkele ich mich bald vor dem Zelt. Heute gibt’s Schinkennudeln. Natürlich aus der Tüte. Aber immerhin. Mal sehen wie kalt es Heute Nacht wird.

Fortsetzung folgt……..

Tag 3

So ganz Einsam blieb ich dann doch nicht. Gegen sieben hielt ein Pickup mit Wappen auf den Seiten neben meinem Zelt. Er und die beiden Insassen gehörten zu dem nahegelegenen, Gut Madlitz, in dessen Besitz der See und die umliegenden Wälder sind. Einer der beiden ist der Forstwirt. Oh,Oh…. Er fragt auch gleich wie lange ich vorhabe zu bleiben. Meine Antwort, dass es nur für eine Nacht sei stimmt ihn gnädig und er gestattet mir, nicht ohne den Hinweis, dass dies streng verboten sei, zu bleiben. Ufff, noch mal Glück gehabt. Wir unterhalten uns noch eine Weile. Plötzlich zeigt er nach oben. Da unser Seeadler! Und tatsächlich liefert sich da gerade ein Seeadler einen Luftkampf mit einem Bussard. Unglaublich. Und die Kamera ist natürlich gut eingepackt. Mist. So schnell die beiden kamen, so schnell sind sie auch wieder verschwunden. Und so erzählt der gute Mann vom Tierleben in seinem Revier. Gerade hier, o ich zelte, treiben sich viele Wildschweine (zu Zeit mit Jungen) und sehr viel Waschbären herum. Toll. Da waren sie wieder. Meine Probleme auf vier Beinen. Waschbären und auch noch Wildschweine. Überhaupt, haben sich die Waschbären zur echten Bedrohung entwickelt. Im letzten Jahr haben sie einen Großteil der Vogelbrut und -gelege geräubert. Der Bestand an Enten droht zu schwinden. Nachdem die beiden dann abgezogen sind versuche ich dann zu schlafen. Leicht gesagt. Hinter jedem lauten Geräusch vermute ich ein Wildschwein. Und die Verpflegung habe ich auch ins Innenzelt genommen, um sie vor den Bärchen zu schützen. Jaja, dass Leben in der Wildnis. Aber ich schlafe dennoch ein. Und die Nacht bleibt ruhig. Ich erwache beim Gezwitscher der Vögel und bin froh, dass der angekündigte Regen ausbleibt. Dafür ist es bewölkt und seeehr windig. Das kann ja was werden heute. Frühstück ist schnell gemacht. Und als ich Zelt und Ausrüstung eingepackt habe, kommt ein Herr im Military Look mit seinem Hund an. Der Mann ist völlig überrascht wie schnell ich abgebaut und eingepackt hatte. Gerade hatte er doch noch das Zelt gesehen! Übung macht halt doch den Meister. Nach kurzem Plausch ziehen wir dann beide unserer Wege. Nach wenigen Kilometern komme ich zur Madlitzer Mühle. Die Wassermühle und die Gebäude .sind aufwändig restauriert worden und bieten Raum für gemütliche Gastlichkeit und Übernachtung. Ich aber radle weiter. Über Feldwege, Landstraßen und oft über mörderisches Feldsteinpflaster passiere ich Ort für Ort. Gerade auf dem Feldsteinpflaster kann ich zeitweise nur Schritttempo fahren. Ich will nicht wieder eine gebrochene Hinterachse riskieren wie im letzten Jahr. Auch heute bekomme ich wieder einige schöne Gutshäuser und Schlösser zu sehen. eine Augenweide ist die alte Komturei Lietzen. oder das Schloss Neuhardenberg. Aber bei all dem machen mir die Kälte und der Wind zu schaffen. es weht in heftigen Böen und es ist wirklich unangenehm feucht kalt. So beschließe ich mich ranzuhalten, um den 14:36 Uhr Zug in Obersdorf zu erwischen. Das schaffe ich dann locker. Und so stehe ich kurz nach eins am Gleiß und merke dass es hier einfach zu ungemütlich ist um über eine Stunde zu warten. Also hänge ich kurzentschlossen noch ein Paar Bonusmeilen dran und fahre noch die 8 1/2 km nach Müncheberg. Zu schnell. Als ich auch noch eine Dreiviertelstunde Zeit. Bin jetzt aber komplett durchgeschwitzt und vor allem durchgefroren. Zum Glück habe ich noch nen trockenen Pullover um mich etwas zu wärmen. Dann aber nichts wie ab in die Bahn und nach Hause wo ich mir erst mal ein richtig heißes Bad gönne.

Das war’s mal wieder

Bis bald
Piet

Märkische Schlössertour bei „Reiseland Brandenburg“

GPS Daten und Karte:

Photos von der Tour:

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